Rufus Verwandlung

Wie aus einem dürren, total ängstlichem Bündel ein selbstbewußter, ausgeglichener Hund wurde. Hier erzähle ich (Ralf) mal ausnahmsweise selbst was über Rufus. ;-)

Ausgangszustand:

Als wir Rufus vom Tierschutz übernahmen, war er ein vernachlässigtes, total ängstliches und viel zu dürres Hündchen, welches absolut nichts von dieser Welt kannte. Keine Autos, Strassen, Artgenossen, Fahhräder, andere Menschen, kurz er war eigentlich ein eineinhalb Jahre alter Boxer, mit der Erfahrung eines Welpen. Sozialisierung hatte augenscheinlich keine stattgefunden, denn seine Angst vor Artgenossen war sehr ausgeprägt.
Bei unseren ersten Ausflügen in die Natur, stellte ich das Ausmaß seiner Angst zunächst selbst einmal etwas hilflos fest. Es war kaum möglich ihn an irgendwelchen anderen Menschen oder gar Hunden vorbei zu bekommen. Er legte sich vor Angst auf den Boden, bibberte furchtbar oder machte sogar unter sich.
Ich halte zwar seit 26 Jahren Hunde, hatte diese aber immer vom Welpenalter an und Angst kannte keiner meiner Hunde.
Da ich jetzt bloß nichts Weiteres in Rufus Leben verkehrt machen wollte, nahm ich sofort professionelle Hilfe in Anspruch. Zu unserem Glück gibt es in der Nähe eine Hundeschule(Hundeschule Wankumer Heide). Die Hundetrainerin Ulrike Bader kam sofort zu uns nach Hause und nach einigen Tests besprachen wir die weitere Vorgehens- und unsere Verhaltensweisen Rufus gegenüber.
Ich will hier nicht auf Einzelheiten eigehen, aber Ulrike hat mit ihrer Anleitung, ihren Kursen und ihrem Vorbild einen beträchtlichen Anteil daran, dass Rufus heute als absolut tolles Exemplar, der Gattung Hund durch diese Welt schreitet.

Jetziger Zustand:

Rufus kennt die Bedeutung von Angst praktisch nicht mehr. Er tritt fremden Menschen und Hunden aufgeschlossen gegenüber.
Er ist körperlich und seelisch in Topform, konditionsstark, total verspielt, anhänglich und verschmust, selbstbewusst und absolut gehorsam.

Wie kam diese Veränderung zustande:

Wie bereits erwähnt, besuchten wir die Hundeschule Wankumer Heide. Dort brachte Ulrike uns bei, wie man Ängste bei Hunden abbauen und Diesen ein artgerechtes, erfülltes Leben ermöglichen kann. Wir machten verschiedene Kurse mit, wie z.B. Agilty oder Fährtenarbeit und da dort ja auch immer andere Hunde anwesend waren, verlor Rufus seine Angst Artgenossen gegenüber sehr schnell. Eine verpasste Sozialisierung kann zwar nicht komplett aufgeholt werden, aber Rufus hat heute mit anderen Hunden kein Problem mehr. Im Gegenteil, wann immer sich die Gelegenheit bietet, spielt er mit seinen Kollegen ausgiebig. Wir besuchten auch verschiedene Hundesportvereine, wo man uns ebenfalls gern mit Rat und Tat zur Seite stand. Dort begriff ich auch, dass Gehorsam und Unterordnung nichts mit Unterjochen der Kreatur zu tun hat, sondern die Beziehung zwischen Hund und Hundeführer unglaublich vertieft. Skeptiker sollten sich ansehen, mit welcher Begeisterung Rufus bei diesen Übungen dabei ist. Außerdem trägt jeder gut erzogener Hund zu unserem Ansehen als Hundehalter auch in der Öffentlichkeit bei.

Was sich an mir verändert hat:

Natürlich musste ich eigentlich mehr über Hunde dazulernen als Rufus, da ich mich vorher eigentlich nie mit Problemhunden auseinander setzen musste, wie gesagt alle unserer Hunde vor Rufus waren absolut problemfrei. So unsicher ich mir zunächst war, umso dankbarer bin ich, dass ich durch die "Arbeit" mit Rufus sehr viel gelernt habe. Nicht nur im Umgang mit Hunden, auch über mich habe ich einiges erfahren, auf das ich sonst nicht so ohne Weiteres gekommen wäre. Hierzu schreibe ich vielleicht mal eine extra Seite, denn hier gehts ja erstmal um unsere vierbeinigen Kameraden.

Während der letzten 12 Monate habe ich mich, neben meiner Beschäftigung mit Rufus selbst, durch mehrere Stapel Bücher über Hunde gelesen. Die Evolutionsgeschichte des Hundes hat mich ebenso gefesselt, wie die Bücher der Verhaltensforscher, Hundetrainer, Hundeausbilder, wissenschaftliche Abhandlungen über die Ernährung des Hundes oder auch die Tipps des "Hundeflüsterers".
Aus allen genannten Quellen, wie Hundeschule, Hundesportvereine, Bücher und auch Erfahrungen anderer Hundehalter habe ich mir, die für mich wichtigsten Erkenntnisse und Ratschläge herausgesucht und so für mich beschlossen, wie ich zukünftig mit Hunden zusammen leben will und werde.
Bei Rufus und mir funktioniert es so gut, dass ich mich hier wage einige Tipps zu veröffentlichen, die wie gesagt nicht immer meinem eigenen Verstand entwuchsen, sondern oft aus den Lehren derer entstanden, die sich hauptberuflich mit dem "Thema" Hund auseinandersetzen.

Hier nun meine Tipps:

  1. Rudelleben ist Familienleben

    Rudelleben und damit einhergehende Dominanz des Rudelführers sind kein Quatsch, wie in viel Foren zu lesen, sondern für die emotionale Ausgeglichenheit des Hundes von ausschlaggebender Bedeutung. Die wichtigsten Merkmale, an denen der Hund festmacht, wer der Rudelführer ist und mit denen man sich in kürzester Zeit(einige Tage bis auch wenige Wochen) zum Rudelführer etablieren kann sind: Diese einfach zu handhabenden Grundregeln bringen schon nach kurzer Zeit sehr gute Erfolge.

  2. Tägliches Leben und Erleben:

    Gewisse Routinen gehören zum Leben eines Hundes natürlich unabdingbar dazu. Dazu gehören:

  3. Dies alles war schnell und einfach zu begreifen, nachdem ich mich nur gründlich genug mit den meisten Aspekten der Hundehaltung beschäftigt hatte. In den einschlägigen Foren wird eine Menge Unsinn erzählt und teilweise werden haarsträubende Ratschläge erteilt. Über Bücher und Autoren wird gelästert und an vielen Aussagen kann man deutlich erkennen, dass die entsprechenden Bücher gar nicht gelesen oder mangels Sachkunde oder Borniertheit nicht verstanden wurden.

Mein Haupt-Tipp für heute ist:
Lernt einfach Hundehalter und Hundeführer bzw. Rudelführer zu sein. Zum Wohle eurer Lieblinge!

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