Rufus Verwandlung
Wie aus einem dürren, total ängstlichem Bündel ein selbstbewußter, ausgeglichener Hund wurde.
Hier erzähle ich (Ralf) mal ausnahmsweise selbst was über Rufus. ;-)
Ausgangszustand:
Als wir Rufus vom Tierschutz übernahmen, war er ein vernachlässigtes, total ängstliches und viel zu dürres Hündchen, welches absolut nichts von dieser
Welt kannte. Keine Autos, Strassen, Artgenossen, Fahhräder, andere Menschen, kurz er war eigentlich ein
eineinhalb Jahre alter Boxer, mit der Erfahrung eines Welpen. Sozialisierung hatte augenscheinlich keine stattgefunden, denn seine Angst
vor Artgenossen war sehr ausgeprägt.
Bei unseren ersten Ausflügen in die Natur, stellte ich das Ausmaß seiner Angst zunächst selbst einmal etwas hilflos fest.
Es war kaum möglich ihn an irgendwelchen anderen Menschen oder gar Hunden vorbei zu bekommen. Er legte sich vor Angst auf den Boden,
bibberte furchtbar oder machte sogar unter sich.
Ich halte zwar seit 1984 Hunde, hatte diese aber immer vom Welpenalter an und Angst kannte keiner meiner Hunde.
Da ich jetzt bloß nichts Weiteres in Rufus Leben verkehrt machen wollte, nahm ich sofort professionelle Hilfe in Anspruch.
Zu unserem Glück gibt es in der Nähe eine Hundeschule(Hundeschule Wankumer Heide). Die Hundetrainerin Ulrike Bader kam sofort zu uns nach Hause
und nach einigen Tests besprachen wir die weitere Vorgehens- und unsere Verhaltensweisen Rufus gegenüber.
Ich will hier nicht auf Einzelheiten eigehen, aber Ulrike hat mit ihrer Anleitung, ihren Kursen und ihrem Vorbild einen beträchtlichen Anteil
daran, dass Rufus heute als absolut tolles Exemplar, der Gattung Hund durch diese Welt schreitet.
Jetziger Zustand:
Rufus kennt die Bedeutung von Angst praktisch nicht mehr. Er tritt fremden Menschen und Hunden aufgeschlossen gegenüber.
Er ist körperlich und seelisch in Topform, konditionsstark, total verspielt, anhänglich und verschmust, selbstbewusst und absolut gehorsam.
Wie kam diese Veränderung zustande:
Wie bereits erwähnt, besuchten wir die Hundeschule Wankumer Heide. Dort brachte Ulrike uns bei, wie man Ängste bei Hunden abbauen
und Diesen ein artgerechtes, erfülltes Leben ermöglichen kann. Wir machten verschiedene Kurse mit, wie z.B. Agilty oder Fährtenarbeit
und da dort ja auch immer andere Hunde anwesend waren, verlor Rufus seine Angst Artgenossen gegenüber sehr schnell. Eine verpasste
Sozialisierung kann zwar nicht komplett aufgeholt werden, aber Rufus hat heute mit anderen Hunden kein Problem mehr. Im Gegenteil,
wann immer sich die Gelegenheit bietet, spielt er mit seinen Artgenossen ausgiebig.
Wir besuchten auch verschiedene Hundesportvereine, wo man uns ebenfalls gern mit Rat und Tat zur Seite stand. Dort begriff ich auch,
dass Gehorsam und Unterordnung nichts mit Unterjochen der Kreatur zu tun hat, sondern die Beziehung zwischen Hund und
Hundeführer unglaublich vertieft. Skeptiker sollten sich ansehen, mit welcher Begeisterung Rufus bei diesen Übungen dabei ist.
Außerdem trägt jeder gut erzogener Hund zu unserem Ansehen als Hundehalter auch in der Öffentlichkeit bei.
Was sich an mir verändert hat:
Natürlich musste ich eigentlich mehr über Hunde dazulernen als Rufus, da ich mich vorher eigentlich nie mit Problemhunden auseinander setzen
musste, wie gesagt alle unserer Hunde vor Rufus waren absolut problemfrei. So unsicher ich mir zunächst war, umso dankbarer bin ich,
dass ich durch die "Arbeit" mit Rufus sehr viel gelernt habe. Nicht nur im Umgang mit Hunden, auch über mich habe ich einiges erfahren,
auf das ich sonst nicht so ohne Weiteres gekommen wäre. Hierzu schreibe ich vielleicht mal eine extra Seite, denn hier gehts ja erstmal
um unsere vierbeinigen Kameraden.
Während der letzten Jahre habe ich mich, neben meiner Beschäftigung mit Rufus selbst, durch mehrere Stapel Bücher über
Hunde gelesen. Die Evolutionsgeschichte des Hundes hat mich ebenso gefesselt, wie die Bücher der Verhaltensforscher,
Hundetrainer, Hundeausbilder, wissenschaftliche Abhandlungen über die Ernährung des Hundes oder auch die Tipps des "Hundeflüsterers".
Aus allen genannten Quellen, wie Hundeschule, Hundesportvereine, Bücher und auch Erfahrungen anderer Hundehalter habe ich mir,
die für mich wichtigsten Erkenntnisse und Ratschläge herausgesucht und so für mich beschlossen, wie ich zukünftig mit Hunden zusammen leben
will und werde.
Bei Rufus und mir funktioniert es so gut, dass ich mich hier wage einige Tipps zu veröffentlichen, die wie gesagt nicht immer
meinem eigenen Verstand entwuchsen, sondern oft aus den Lehren derer entstanden, die sich hauptberuflich mit dem "Thema" Hund
auseinandersetzen.
Hier nun meine Tipps:
Rudelleben ist Familienleben
Rudelleben und damit einhergehende Dominanz des Rudelführers sind kein Quatsch, wie in viel Foren zu lesen,
sondern für die emotionale Ausgeglichenheit des Hundes von ausschlaggebender Bedeutung.
Wobei ich mit Dominanz meine, sei ein verlässlicher, vertrauenswürdiger und berechenbarer Sozialpartner, der sich um alles Wichtige kümmert und seine Familienmitglieder schätzt und liebt.
Wenn man hierbei Probleme hat, gibt es ein paar leicht durchzuführende "Tricks", die schnell Erfolg zeigen.
Sie sind von Jan Fennell(Autorin vieler Hundebücher) und sie nennt es "amichien bonding":
- Der Rudelführer frisst zuerst!
Es reicht aus, selbst in Ruhe einen Keks oder ähnliches zu verspeisen bevor man dem Hund das Futter hinstellt.
- Der Rudelführer führt die Jagd an!
Der Hund geht beim Verlassen des Hauses niemals als erster durch die Haustür, das Hoftor oder springt
unkontrolliert und ohne Aufforderung in unser Auto.
Beim Spaziergang geht der Hund niemals vorweg, es sei denn wir haben ihn dazu aufgefordert.
-
Der Rudelführer kümmert sich um die Abwehr von Gefahr!
Wenn es an der Tür klingelt, rennt der Hund nicht kläffend zur Tür, sondern der Rudelführer bedankt sich, wenn der Hund ihn durch Knurren
oder "kurzes" Anschlagen aufmerksam gemacht und sieht alleine an der Tür nach, wer Einlass begehrt. Der Hund kommt nur nach Aufforderung dazu.
-
Der Rudelführer beansprucht seinen Freiraum!
Wenn der Rudelführer nach Hause kommt, regelt er zuerst "seine" Dinge.
z.B. in Ruhe umziehen, wenn man von der Arbeit kommt, oder ähnliche alltägliche Sachen. Währenddessen springt der Hund nicht an einem rum
oder ist total aus dem Häuschen. Er darf uns beschnuppern und sich ruhig freuen, aber der Zeitpunkt, wann er die volle
Aufmerksamkeit des Rudelführers bekommt, wird ausschließlich von Diesem entschieden. Zuwendung erst wenn der Hund ruhig ist! Ansonsten
wird er ignoriert, bis er sich beruhigt hat. Natürlich lassen wir von Anfang an erkennen, dass wir uns auch über unser Wiedersehen freuen!
Diese einfach zu handhabenden Grundregeln bringen schon nach kurzer Zeit sehr gute Erfolge.
Wenn unserem Hund erstmal klar ist, dass er keine Verantwortung hat und wir uns um alles kümmern, werden solche Maßnahmen in der Regel nicht mehr notwendig sein.
Es geht einfach darum, dass der Hund keinerlei Führungsstress haben soll, sondern sein Leben an unserer Seite voller Vertrauen in uns leben kann.
Er muss fühlen können, dass er zu unserem Familienverband gehört und geschätzt wird!
Er muss auch Hund bleiben dürfen !!!
Tägliches Leben und Erleben:
Gewisse Routinen gehören zum Leben eines Hundes natürlich unabdingbar dazu. Dazu gehören:
- Feste Fütterungszeiten.
Der Hund sollte, wenn keine krankheitsbedingten Gründe dagegen sprechen, zu festen Zeiten gefüttert werden.
Dies bringt auch Vorteile für die Berechenbarkeit der Verdauung und Lösung des Hundes bei unseren Gassigängen.
Er verfügt nicht ständig selbst über immer bereit stehendes Futter. Nur frisches Wasser steht jederzeit zur freien Verfügung.
- Der Hund braucht als "Lauftier" eine Menge Bewegung. Lange strukturierte Spaziergänge oder Laufen am Fahrrad sind für seine
Ausgeglichenheit und seine Beziehung zu Herrchen/Frauchen absolut unerlässlich. Nur ein paar Minuten Gassi gehen am Tag
bezeichne ich als Tierquälerei.
- Der Hund braucht Disziplin. Entsprechende Übungen sollte jeder Hundehalter in sein Leben integrieren, nachdem er
selbst verantwortungsvoll erlernt hat, was Unterordnung und Gehorsam bedeuten.
- Der Hund braucht Familie. Einen Hund haben ist schön, aber mit dem Hund wirklich zusammenleben hat eine andere Bedeutung,
zumindest für mich. Überall wohin ich meinen Hund mitnehmen kann, mache ich dies natürlich. Wo er nicht erwünscht
ist, werdet ihr mich nicht antreffen, außer bei der Arbeit im Büro, da darf er nun mal nicht mit
und irgendwie muss ich ja unser Futter besorgen. ;-)
Er ist mein Familienmitglied und wohnt mit
mir in meiner Wohnung, nicht im Zwinger oder Stall. Er liegt abends neben mir auf dem Sofa, wenn er das will. Er hat seinen Schlafplatz neben meinem Bett.
Wenn er möchte, kann er er auch zu mir ins Bett kommen.
Wir spielen und schmusen, wann immer Zeit ist.
Spiel fördert Vertrauen auf beiden Seiten und gemeinsames "Arbeiten" wie Unterordnungsübungen, Fährtenarbeit, Revieren oder andere Suchspiele schweißen zusammen und machen stolz aufeinander.
Urlaub ohne meinen Hund ist einfach undenkbar!
Dies alles war schnell und einfach zu begreifen, nachdem ich mich nur gründlich genug mit den meisten Aspekten der Hundehaltung
beschäftigt hatte. In den einschlägigen Foren wird eine Menge Unsinn erzählt und teilweise werden haarsträubende Ratschläge erteilt.
Über Bücher und Autoren wird gelästert und an vielen Aussagen kann man deutlich erkennen, dass die entsprechenden Bücher
gar nicht gelesen oder mangels Sachkunde oder Borniertheit nicht verstanden wurden.
Mein Haupt-Tipp für heute ist:
Lernt einfach Hundehalter und Hundeführer bzw. Rudelführer zu sein. Zum Wohle eurer Lieblinge!
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